Interview mit Architekt Walter Schelle – DEKTON- Ästhetisch und funktional

Oliver Hahr
Germany

Architekt Walter Schelle über seine Erfahrungen mit Dekton von Cosentino als Fassadenbekleidung beim KAP WEST in München. Mit seinen zwei markanten Türmen – 60 m hoch im Süden und 53 m hoch im Norden – überragt das KAP WEST den westlichen Eingang zur Innenstadt und weitet den Blick bis zu den Alpen. Die Fassade des kubischen Komplexes wird von einer abwechslungsreichen Netzstruktur aus raumhohen Fenstern und steinbekleideten Lisenen geprägt. Deren homogene und extrem präzise verarbeitete Oberfläche wurde durch die Verwendung eines innovativen ultrakompakten Werkstoffs ermöglicht.

Herr Schelle, Sie haben bei HPP Architekten die Planung des KAP WEST geleitet. Welche Ziele galt es zu erreichen?

WS: Einerseits wollten wir die gestalterischen und konstruktiven Ideen des Entwurfs von Wiel Arets Architects bestmöglich umsetzen. Andererseits gab es seitens des Bauherrn, der OFB Projektentwicklung GmbH, einen klar definierten Budget- und Zeitrahmen für die Errichtung. Im Laufe jedes Bauprojekts gibt es vielfältige Situationen, in denen man als ausführender Architekt Lösungen entwickelt und umsetzt, die beide Perspektiven bestmöglich einen. Das passiert am besten vor Ort. Daher wurde das Münchener Büro von HPP mit der Ausführungsplanung des Gebäudes und der Ausschreibung der Fassade beauftragt.

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Was waren die Anforderungen an die Fassade?

WS: Der Entwurf sah eine hinterlüftete Vorhangfassade vor, zusammengesetzt aus Elementen mit aluminiumgerahmten, raumhohen Fenstern und steinbekleideten Lisenen. Die Elemente sollten komplett vormontiert anlieferbar sein – inklusive Dreifachverglasung, Dämmung, Beschattung, Elektrik und Bekleidung. Vor Ort gab es nur sehr limitierten Platz, um zu montieren. Zudem sollte so die effiziente Errichtung besser sichergestellt werden. Eine rasche, geschossweise Fertigstellung der Fassade ist schließlich der Schlüssel zum Innenausbau und damit zu einer möglichst frühzeitigen Übergabe an die Nutzer.

Warum waren die steinernen Lisenen so wichtig?

WS: Die vertikalen und horizontalen Lisenen helfen, die Fassade zu strukturieren. Beim KAP WEST variieren sie leicht in der Breite, ebenso die Fenster. Dadurch schafft man eine lebendige Optik. Zugleich wirkt alles aus einem Guss. Doch nicht nur aus gestalterischen Gründen waren die Lisenen sinnvoll: Sie erleichtern auch die Integration von schienengeführten Sonnenschutzsystemen und sind für die Luftschalldämmung wichtig. Das Gebäude steht zwischen einer viel befahrenen Straße und den Gleisen zum Hauptbahnhof München. Ohne das Gewicht und die strukturierende Funktion der Lisenen wäre der geforderte Schallschutz-Grenzwert von 47 dB nicht erreichbar gewesen.

"Wir brauchten also einen Werkstoff, der ästhetisch und funktional top ist. So kamen wir auf Dekton"

Welche Materialien kamen denn als Bekleidung für die Fassade infrage?

WS: Ursprünglich sollte glasfaserverstärker Betonwerkstein oder Kunststein zum Einsatz kommen, 30 mm stark. Doch diese Optionen erwiesen sich für die rund 12.600 qm große Fassadenfläche aufgrund des Gewichts und der damit verbundenen Kosten für das Handling und eine aufwändigere Unterkonstruktion als ungeeignet. Zusammen mit dem Fassadentechniker Friedrich Scharl begaben wir uns auf die Suche nach einer Alternative, die eine steinerne Optik besitzt, aber leichter und unter dem Strich kostengünstiger ist. Wir brauchten also einen Werkstoff, der ästhetisch und funktional top ist. So kamen wir auf Dekton. Dieses Material konnten wir in einer Stärke von nur 12 mm nutzen. Statt rund 1500 kg wiegen die Fassadenelemente mit Dekton ein Drittel weniger, etwa 1000 kg.

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Bringt die geringe Stärke des Materials nicht auch Nachteile mit sich?

WS: Unsere Befürchtungen hinsichtlich der Stabilität wurden bald ausgeräumt. Cosentino nennt Dekton eine „ultrakompakte Oberfläche“. Was das bedeutet, wurde uns aber eigentlich erst beim Besuch der Fertigung in Spanien bewusst: Ohne Zugabe von organischen Bindemitteln wie Harzen werden dort bis zu 20 natürliche Mineralien mit 25.000 Tonnen Druck verpresst und in einem Sinterprozess erhitzt, so dass eine hochverdichtete Platte mit extrem hoher Widerstandsfähigkeit entsteht. Das Material ist witterungsbeständig, schlag- und kratzfest, form- und farbbeständig und fleckenresistent. Sogar Graffiti lässt sich einfach abwischen, was in erdnahen Bereichen wichtig werden kann.

Mussten Sie dafür Kompromisse beim Design eingehen?

WS: Nein, überhaupt nicht. Dekton gibt es in über 60 Varianten, sogar maßgeschneiderte Designs und Texturen sind möglich. Wir entschieden uns für den Farbton «Keon» aus der «Cosentino TECH Collection». Der ist inspiriert von Beton, hebt aber das KAP WEST aus den Gebäuden in der Umgebung doch klar heraus. Dazu trägen auch die enorme Planität und Präzision der Platten bei. Die Toleranzen liegen gerade einmal bei +/- 0,5 mm. So konnten wir die Fassade mit sehr exakten und engen Fugenbreiten von nur 10 mm realisieren. Die Idee des Entwurfs, dem kubischen Ensemble eine moderne, netzartige Hülle zu geben, konnten wir mit Dekton perfekt umsetzen.

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